Seit der Unabhängigkeit 1975 Drucken

Ein Jahr nach Kriegsende wurde Vietnam 1976 wiedervereinigt. In den folgenden Jahren flohen rund eine Million so genannter „Boat People“ aus dem Süden. Vietnam marschierte 1978 in Kambodscha ein, beendete die Herrschaft der Roten Khmer und hatte Grenzkonflikte mit China.

Die Wiedervereinigung

Ein Jahr nach dem Ende des Krieges fanden im April 1976 Wahlen statt, die die Kommunisten gewannen. Am 2. Juli 1976 wurde Vietnam als Sozialistische Republik Vietnam wiedervereinigt. Hanoi wurde Hauptstadt, Saigon in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.

Die Voraussetzungen für den Neuanfang waren denkbar schlecht. Nach jahrzehntelangen Kriegen lag das Land am Boden. Das Straßen- und Eisenbahnnetz, die Häfen, Kraftwerke und Industriebetriebe waren völlig zerstört. Die Felder waren von unzähligen Bombenkratern übersät und von den Chemikalien wie Agent Orange verseucht. Die Menschen trauerten um geschätzte mehrere Millionen Tote. Viele waren verwundet, behindert, verwaist und vertrieben.

Die Regierung begann mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft in den beiden unterschiedlichen Landesteilen. Sie verstaatlichte die Unternehmen im vormals kapitalistischen Süden und kollektivierte 1977 die Landwirtschaft, die zuvor auf bäuerlichen Kleinbetrieben basiert hatte. 1978 wurde der private Handel verboten; die Produktivität sank, viele Vietnamesen flüchteten ins Ausland. Mehrere Naturkatastrophen zerstörten in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre Ernten und führten zu Hungersnöten. Zudem hatten die USA nach Kriegsende seine Finanzhilfen eingestellt. Der US-Wirtschaftsboykott brachte die Wirtschaft im Süden zum Erliegen und verhinderte, dass Vietnam Kredite aus dem Ausland erhielt; erst ab 1979 unterstützte die Sowjetunion Vietnam finanziell. Auch die gesellschaftliche Annäherung der ehemaligen Kriegsgegner war schwierig; statt einer Versöhnung wurde hart gegen diejenigen vorgegangen, die auf Seiten der Amerikaner gestanden hatten.

Die „Boat People“

Da sich die Lebensbedingungen verschlechterten, flohen vor allem in den ersten Nachkriegsjahren viele Südvietnamesen ins Ausland. Da die Wege über die kommunistischen Nachbarländer Kambodscha, Laos und China verschlossen waren, flüchteten sie als „Boat People“ über das Südchinesische Meer in Richtung Thailand, Malaysia, Philippinen und Hongkong. Dort warteten sie in Auffanglagern auf ihre Weiterreise in die USA, nach Kanada, Australien und Europa. Die Überfahrten in oft überladenen, nicht hochseetauglichen Fischerbooten war wegen der Taifune und Piratenüberfälle lebensgefährlich. Nicht wenige wurden von internationalen Frachtern und Militärschiffen aufgenommen. Die von Rupert Neudeck gecharterte und zum Hospitalschiff umgebaute „Kap Anamur“ brachte über 10.000 Flüchtlinge nach Deutschland.

Unterschiedliche Schätzungen gehen von 800.000 bis 1,5 Millionen Boat People aus. Besonders tragisch für die Wirtschaft war, dass vor allem wohlhabende und gut ausgebildete Menschen das Land verließen. Unter ihnen waren viele chinesischstämmige Händler sowie Akademiker, Unternehmer und Fachkräfte.

Kämpfe mit den Nachbarländern

In Kambodscha regierten seit April 1975 die Roten Khmer, die das Land isolierten und und seine Bevölkerung terrorisierten. China unterstützte die Regierung Pol Pots. An der Grenze zwischen Vietnam und Kambodscha kam es immer wieder zu Übergriffen. Schließlich marschierte die vietnamesische Armee Weihnachten 1978 mit über 100.000 Soldaten in Kambodscha ein und eroberte am 7. Januar 1979 Phnom Penh. Sie beendete das Pol-Pot-Regime und setzte eine neue Regierung der Volksrepublik Kambodscha ein. Die Roten Khmer flohen in die Bergregionen Westkambodschas und führten von dort aus einen Guerillakrieg. Die vietnamesischen Truppen zogen erst 1989 ab.

China nahm die Eroberung des Verbündeten Kambodscha nicht hin. Bereits am 17. Februar 1979 reagierte China mit einem Einmarsch in den Norden Vietnams. Bereits nach vier Wochen heftiger Kämpfe zogen sich die chinesischen Truppen wieder zurück. Beide Seiten hatten hohe Verluste zu beklagen.

Lesen Sie weiter: Über Vietnam heute >