Zwischen den Kriegen (1954-64) Drucken

Nach der Genfer Konferenz entwickelten sich der kommunistische Norden und der von den Amerikanern unterstützte Süden weitgehend eigenständig. In beiden Landesteilen entstanden Befreiungsorganisationen. Es gab zahlreiche Putsche, großen Widerstand buddhistischer Mönche und immer mehr US-Soldaten in Südvietnam. 1964 begann der Vietnamkrieg.

Norden und Süden nach der Teilung

Nach den Beschlüssen der Genfer Konferenz entwickelten sich der Norden und der Süden in unterschiedliche Richtungen. Die Regierung im Norden gestaltete nach Abzug der Franzosen die Wirtschaft radikal nach sozialistischen Muster um. Sie enteignete Grundbesitzer und Unternehmer, kollektivierte die Ländereien und gründete Genossenschaften. Rund eine Million Nordvietnamesen, vor allem Katholiken, zogen in den Süden.

Im Süden hatte Kaiser Bao Dai Ngo Dinh Diem am 7. Juli 1954 zum Präsidenten gemacht. Der Katholik, der mehrere Jahre in den USA gelebt hatte, erhielt von seiner mächtigen Familie, Katholiken und Amerikanern Unterstützung. US-Berater hatten mittlerweile großen Einfluss in der Regierungsverwaltung in Saigon inne. 1955 lehnte Diem die Genfer Beschlüsse ab, ließ den Kaiser abdanken, wurde Präsident der neuen Republik Südvietnam und verfolgte Kommunisten, Buddhisten und Anhänger der Cao Dai. Mit massiver Finanzhilfe der USA baute er eine eigene Armee auf, die ARNV (Armee der Republik Vietnam). 1956 gab es offiziell keinerlei Verbindungen zwischen Norden und Süden mehr.

Widerstand im Süden: Die Vietcong

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre engagierten sich in Südvietnam zahlreiche Widerstandsbewegungen, darunter Kommunisten und religiöse Gruppen. Wie weite Teile der Bevölkerung waren sie gegen das Diem-Regime und die amerikanische Präsenz und strebten die Wiedervereinigung Vietnams an. Die größte und bekannteste Gruppe waren die Vietcong („vietnamesische Kommunisten“). Aus Nordvietnam erhielten sie ab 1959 über den Ho-Chi-Minh-Pfad im Hinterland Unterstützung. Ende 1960 schlossen sich die Freiheits- und Widerstandsgruppen in der Nationale Befreiungsfront (FNL) zusammen.

Phase der Putsche und Gewalt

Die USA und die südvietnamesische Armee reagierten Anfang der 1960er Jahre auf den zunehmenden Widerstand mit Bombardierungen der FNL-Gebiete und jahrelangen Verfolgungen. Bauern wurden in überwachte, so genannte „strategische Wehrdörfer“ umgesiedelt, damit sie die FNL nicht mehr unterstützen konnten. Die südvietnamesische Regierung wurde immer instabiler und brutaler. Im Frühjahr 1963 ließ Präsident Ngo Dinh Diem Tausende Buddhisten verhaften und auf Mönche in Hue schießen. Die Fotos von Mönchen, die sich aus Protest selbst verbrannten, gingen um die Welt; der Mönch Thich Quang Duc verbrannte sich im Juni 1963 vor laufenden TV-Kameras. Die USA ließ Diem fallen, der im November 1963 bei einem Putschversuch ermordet wurde. In Südvietnam wurde nach zwei Jahren mit Putschen und ständig wechselnden Regierungen Mitte 1965 Nguyen Van Thieu Präsident. Doch da die südvietnamesischen Truppen immer weiter an Boden verloren, hatten die USA längst den Entschluss gefasst, eigene Soldaten in Vietnam einzusetzen.

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